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 Stellungnahme zu Ihrem Bericht im Gesundheitsjournal vom 05.07.2002

Die Osteopathie behandelt vorwiegend Funktions- und Bewegungsstörungen. Der Arzt A.T. Still (=Begründer der Osteopathie) hat den Körper des Menschen mit einem bewässerten Ackerfeld verglichen, wobei er den Blut- und Lymphgefäßen die Rolle der Bewässerungskanäle zugewiesen hat.
Einer von vielen grundlegenden Gedanken der Osteopathie ist nun, dass Bewegungsstörungen im Körper (sei es von Knochen, Muskeln, aber auch dem Bindegewebe) diese "Bewässerung", sprich Ver- und Entsorgung einzelner Körperbereiche einschränken. Ziel einer osteopathischen Behandlung ist es, genau diese Funktionaltät zu verbessern.

Auf diese Weise können sogar Organkrankheiten unterstützend behandelt werden! So kann eine Organpathologie mit dieser Therapie ein Verbesserung der Durchblutung des Organs bewirken. Eine Mehrdurchblutung aber fördert wiederum das Anfluten des spezifischen Medikaments, somit kann auch dessen Wirksamkeit verbessert werden.
Selbstverständlich stellen wir an dieser Stelle klar, dass Osteopathie KEINE Notfallbehandlung ist, bzw. die ärztliche Diagnostik und Therapie nicht ersetzen kann! Ein guter Osteopath wird andere, bewährte Therapien niemals aus dem Auge verlieren und bei Bedarf auch vorschlagen.

Was am Beitrag von Prof. Grifka stark verwundert: Chirotherapie wird als "wissenschaftlich" belegt definiert, Osteopathie aber als Therapie ohne Nachweis.
Wurde da vielleicht vergessen, dass Chirotherapie aus der Osteopathie entstanden ist und eigentlich nur einen Teilbereich der Osteopathie darstellt?
War D.D. Palmer nicht ein Schüler von A.T. Still?

Weiterhin stellen wir uns als praktizierende Osteopathen die Frage, ob es beim Kind, dessen Gewebe noch weich und dessen Knochen noch im Wachstum begriffen sind, überhaupt Sinn macht etwas zu 'renken'? Wäre es nicht eher angebracht, mit sanften Drucktechniken Spannungen zu lösen? Warum soll "Drücken" nicht, "Renken" aber schon belegbar sein?

Da in den USA Osteopathen spezialisierte Ärzte sind, die zig wissenschaftliche Arbeiten geschrieben haben, zweifeln wir an der Berechtigung dieser Anschuldigungen gegen die Osteopathie!
Auch in Deutschland gibt es seit geraumer Zeit eine "Zeitschrift für osteopathische Medizin" und bilden Ärztegesellschaften für Manualtherapie (und Chirotherapie) in Osteopathie aus!

Unsere Bitte an Prof. Grifka wäre, manche Teilbereiche der Osteopathie wissenschaftlich zu widerlegen, wir Osteopathen würden nur daraus lernen können und dies sehr begrüßen.

Es ist eigentlich schade, dass eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Osteopathen und klassischen Medizinern durch solch unkonstruktive Diskussionen zerstört werden. Für uns "Fachleute" war kein Pro und Contra wahrnehmbar, sondern nur ein Durcheinander ohne Inhalt.
Stellt sich nur noch die Frage, was der Laie mit so einem Artikel anfangen soll? Vielleicht wäre eine Vorstellung der Inhalte der Osteopathie sinnvoller?

Mit freundlichen Grüßen

Guido F. Meert
Fachlicher Leiter des Deutschen Fortbildungsinstitutes für Osteopathie ( DFO ) in Donaustauf-Waldenburg

Dr. med. Bernhard Hartwig
Vorsitzender des Deutschen Registers osteopathischer Medizin ( DROM )

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