Home Kontakt Wir über uns Wissen Therapeuten Kursangebot News Intern

Pro & Contra Osteopathie

aus der Mittelbayerischen Zeitung vom 5.Juli.2002

 Osteopathie

Die Osteopathie wurde 1874 von dem Amerikaner Dr. A.T. Still entwickelt. Es werden hierbei Gewebespannungen, Körperrhythemen und Körperfunktionen ertastet, erspürt und behandelt. Ein besonderes Anliegen eines neu zu gründenden Vereins ist es, die Osteopathie als eigenständige medizinische Fachrichtung in die Öffentlichkeit zu bringen.

 PRO

Unfälle, Krankheiten, aber auch seelische Belastungen hinterlassen oft Spuren, die die Körperfunktionen beeinflussen. Osteopathen erspüren solche "Narben" und Blockaden und lösen sie mit gezieltem Einsatz ihrer Hände auf.

Der Körper besitzt selbstregulierende Kräfte. Diese werden in der Behandlung aktiviert und ermöglichen dem Organismus eine grundlegende Heilung", so Brenner. "Die Osteopathie regt die selbstregulierenden Kräfte im Organismus an und hat keine Nebenwirkungen. Sie kann sehr gut in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden, ob schulmedizinisch oder alternativ, angewandt werden. Osteopathie ist optimal als vorbeugendes Mittel, um zu verhindern, dass aus kleineren Problemen größere Schäden und Krankheiten werden."

Warum Osteopathie nun ausgerechnet bei Kindern? Osteopathie ist eine sehr sanfte, ruhige und angenehme Behandlungsmethode. Das Gewebe bei Säuglingen und Kindern ist noch sehr weich und aufnahmefähig. Je früher also eine Problematik erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung.

Aus diesem Grund hat Hannes Brenner eine eigene osteopathische Sprechstunde für Kinder eingerichtet. Ziel dieser osteopatischen Sprechstunde ist es, möglichst viele Kinder möglichst früh osteopathisch zu untersuchen. Brenner kämpft darum, dass Osteopathie ein Bestandteil der allgemeinen Nachuntersuchung bei Kindern wird. Um objektiv zu sein, werden die Kinder gleichzeitig von mehreren Osteopathen behandelt.

Gemeinsam mit seiner Kollegin Gerti Schäfer hat Hannes Brenner eine osteopathische Sprechstunde für Kinder ins Leben gerufen, die jetzt ein gemeinnütziger Verein werden soll, um dann auch Familien, die weniger Geld haben oder nicht privat versichert sind, die Möglichkeit zu geben, ihre Kinder osteopathisch untersuchen und behandeln zu lassen, denn Osteopathie ist noch kein Abrechnungspunkt bei gesetzlichen Krankenkassen.

Hannes Brenner strebt eine enge Zusammenarbeit mit den Physiotherapeuten an, denn das ist für ihn etwas Ergänzendes. "Ich suche selbstverständlich auch die Zusammenarbeit mit den Ärzten, denn ich möchte mich nicht distanzieren von der Schulmedizin." Brenner ist wichtig, das Beste für das Kind zu erreichen.

Gerti Schäfer bestätigt, dass viele Ärzte bei den Osteopathie-Ausbildungen dabei sind. "Einigkeit besteht darüber, dass Kinder schnellstens behandelt werden müssen, aber über den Weg ist man sich nicht einig."

Hannes Brenner,
Osteopath mit Praxis in der Bachgasse in Regensburg


 Contra

Prof. Joachim Grifka sieht Osteopathie derzeit als Modewelle. "Osteopathie ist nicht belegt, wenn wir eine Therapie einleiten, müssen wir eine Wirksamkeit erwarten, und gerade bei Kindern brauchen wir eine Therapie, die wirksam ist. Man darf keine Zeit verpassen mit Verfahren, das keine nachgewiesene Wirksamkeit hat." Nach Ansicht von Grifka werden Eltern selbstverständlich auch diesen Weg versuchen. "Und dabei entsteht die große Gefahr, dass bewährte Therapien nicht angewandt werden, weil man mit Osteopathie behandelt." Und die Zeit läuft weg.

Wir verlangen für wirksame Therapien, dass es einen Nachweis dafür gibt, und bei Osteopathie gibt es für mich zu viele Ungereimtheiten; die Wirkungsweise ist nicht erbracht bisher. Selbstverständlich erkennt der Arzt eine solche Krankheit auch, aber er kann nicht alle heilen: Hier ist der Drang der Menschen, etwas auszuprobieren, eben doch riesengroß."

Für Grifka fehlen die Belege für die Wirksamkeit dieser Therapie, wie es sie zum Beispiel bei der Chirotherapie gibt. "Man kann Gelenke 'renken', das ist in die Schulmedizin seit langem integriert. Dagegen ist die Osteopathie immer noch in dem Bereich, dass man über Druckpunkte arbeitet, und das übersteigt unsere Vorstellungen."

Bei Kindern gibt es relativ häufig kleine Anomalien. Man kann zum Beispiel, so Grifka, im Bereich der Kiefergelenke etwas 'renken', Grifka bestätigt jedoch, dass er ein sehr ungutes Gefühl hat, "denn es gibt keine Belege dafür, dass es hilft wie in der Chirotherapie.

Auch Grifka sieht es als besonders gefährlich, wenn man sich auf diesem Gebiet mit ganz kleinen Kindern befasst. Dass man bestehende Anomalien bei Kleinkindern möglichst ohne Zeitverlust behandeln muss, darüber sind sich Brenner und Grifka einig, nur über den Weg dorthin nicht.

Dafür sind mir die genannten Anwendungsgebiete denn doch zu viele", so Grifka, denn dass chronische Mittelohrentzündungen ebenso erfolgreich behandelt werden können wie Fußdeformitäten und das Down-Syndrom, das kann der Schulmediziner so nicht akzeptieren. Und die Kinderphysiotherapeutin Barbara Wustmann macht darauf aufmerksam, dass die Ausbildung der Osteopathen eigentlich doch recht unterschiedlich ist. "Es gibt Schulen, wo ich eine medizinische Grundausbildung haben muss, aber es gibt auch Schulen, wo man berufsfremd sein kann."

Prof. Dr. Joachim Grifka,
Direktor der Orthopädischen Uniklinik in Bad Abbach

Wenn Sie zu diesem Thema etwas sagen möchten, oder wenn Sie an den Meinungen anderer interessiert sind, dann schauen Sie doch mal in unser Diskussionsforum.